Mal nachgedacht

Feuerwerk

2015. Freunde, was für ein Jahr. Viele nehmen sich für das neue Jahr tausend Dinge vor und beklagen was sie alles nicht getan haben im alten. Ist das so? Oder vielleicht doch besser einmal kurz innehalten und alles Revue passieren lassen.

Es begann, nun, sagen wir mal – erfrischend. Mit einem Bad in der Ostsee. Bei 5 Grad Wassertemperatur. Man stellt sich dabei kurzzeitig die Frage ob man zum Weibchen geworden ist, verliert zudem jegliche Kontrolle über seine Extremitäten – was für Außenstehende doch einen gewissen Unterhaltungswert hat – aber danach ist man schlagartig nüchtern und bereit für den ersten Glühwein des Jahres.

Es ging weiter, in die Alpen. Ich war Snowboarden und habe mitten auf der Piste in Österreich einen Anruf und eine Jobzusage bekommen. Für meinen Traumjob. Einige von euch wissen, es war ein hartes Stück Arbeit bis dahin. Doch entgegen allen Zweiflern – der alte Mann kann es noch.

Ich habe die längste Schlittenfahrt meines Lebens gemacht. Ich habe Entscheidungen getroffen. Die wohl einschneidendste war aus Leipzig weg und in den Norden zu gehen. Ans Meer. Ich war auf einem Schiff und auf einem U-Boot. Habe einen Road Trip gemacht und bin an einem Tag in zwei verschiedenen Meeren geschwommen.

Ich habe eine Sonnenfinsternis gesehen und lag nachts im Park beim Sternschnuppen schauen. Ich habe barfuß auf Festivals im Sand getanzt und Nächte in schmutzigen kleinen Clubs bei guter Musik verbracht bis die Sonne aufging und ich vom tanzen verschwitzt nach Hause ging. Ich bin nachts Nacktbaden gewesen.

Ich habe 7 Bücher begonnen zu lesen und eins davon zu Ende geschafft. Immerhin. Bin doch manchmal etwas wechselhaft. Ich habe gelernt und Prüfungen geschrieben. War motiviert und an manchen Tagen habe ich mich hängen lassen. Das muss ja auch mal sein.

Ich habe für immer Abschied genommen von einem lieben Menschen und neue Leute kennen lernen dürfen. Neue Freunde gefunden. Manches geht und dafür kommt neues. So ist der Lauf der Dinge.

Ich bin betrunken neben der Toilette eingeschlafen. Ja, das passiert wohl auch mit 35 noch. Der Unterschied ist: man braucht 3 Tage um wieder auf den Beinen zu sein. Ich bin unter der Elbe hindurch gelaufen, bin über Mauern geklettert und habe die Sonne über dem Hamburger Hafen aufgehen sehen.

Glaubt man meiner Sporttracking App, bin ich 402 Kilometer gejoggt und 378 Kilometer mit dem Bike bergauf und bergab gefahren. Ich habe aufgehört zu rauchen und dafür meinen Bauch wachsen sehen. Bin inzwischen überzeugt davon, dass die Sport App eine Fehlfunktion hat. Naja, irgendwas ist ja immer.

Ich bin auf 25 Meter hohe Bäume geklettert und von oben in die Tiefe gesprungen. Ich bin mit einem Fahrrad in 10 Metern Höhe auf einem Drahtseil gefahren. Wer dabei war weiß, ich sah dabei nicht annähernd so cool aus wie man vielleicht vermuten mag. „wink“-Emoticon

Ich saß am Strand am Lagerfeuer und nachts mit fremden Menschen an Leipzigs Kanälen und habe Wein getrunken. Ich habe großartige Gespräche geführt.

Ich habe eine alte Frau gerettet die zwischen Zug und Bahnsteigkante gefallen ist. Ich habe freche Kinder böse angeschaut und ihnen Angst gemacht. Ich glaube, wenn ich alt werde, werde ich mürrisch. Das wird ein Spaß.

Ich habe ca. 527 ironische Kommentare auf Facebook hinterlassen wovon nur wenige verstanden wurden. Sollte vielleicht an meinem Humor arbeiten. Doch ich habe auf Facebook auch einen wunderbaren Menschen kennen gelernt. So war dann einer der 527 Kommentare doch für etwas gut.

Ich schlafe noch immer zu wenig weil ich mir oft einrede wer schläft könnte etwas verpassen und 4 Stunden schlafen reichen doch locker. Tun sie nicht. Die Erkenntnis kommt stets aufs Neue wenn ich meinen Wecker zum x-ten Mal auf Snooze stelle.

Ich bin im Herbst durch Laubhaufen im Park gerannt und wurde komisch angeschaut. Das letzte Stück Kind sein in sich verlieren muss grausam sein.

Wisst ihr, kaum etwas davon war geplant, geschweige denn vorhersehbar. Es ist einfach passiert.

„Leben ist werden.“ – hat Hermann Hesse einmal geschrieben.

Wozu also sich etwas vornehmen wenn doch so vieles einfach von sich aus passiert. Das Leben kann so spannend sein. Man sollte es rein lassen. Sich einlassen und es zulassen. Vernünftig sein wenn es die Situation erfordert, und unvernünftig sein wann immer es nur möglich ist.

Dann mal los 2016 – bin gespannt was Du so mit Dir bringst.

Habt schöne Weihnachtstage mit euren Lieben, genießt die Zeit und lebt und nutzt die Gelegenheiten anstatt sie zu verpassen und im Nachhinein darüber zu klagen.

„Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt – die meisten Menschen existieren nur.“ (Oscar Wilde)

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