…und vor sich hin zu schauen

Bastian Wittig

Sie warten und hetzen, auf den Bus und nach der Bahn. Auf das Essen und das Bier – um es dann herunter zu schlingen ohne den Geschmacksknospen auch nur den Hauch einer Chance zu geben etwas zu schmecken. Sie warten auf die Gelegenheit die nie kommen wird und jagen ihr nach. Den Einkauf im Eiltempo erledigen während man aufs Smartphone schaut und sich Fast Food zwischen die Kiemen schiebt. Im Grunde ist es egal wo ich mich gerade aufhalte und mal für fünfzehn Minuten hinsetze. Beobachte ich die Leute, sehe ich so viele gehetzte Gesichter. Sie warten auf die Nacht und auf den neuen Tag um dann durch ihn hindurch zu preschen, anstatt einmal im alten zu verweilen. Oder gar im hier und jetzt.

“Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen.” So wird Pippi Langstrumpf, oder besser gesagt Astrid Lindgren, sehr gern zitiert. Vor sich hin zu schauen. So etwas banales. Doch schaut euch mal um. Ich weiß ja nicht wie es bei euch so ist, aber bei uns in der Stadt sehe ich vorwiegend hektische oder gar gehetzte Menschen.

Unentspannt. Angespannt. Abgespannt. Vom Alltag gehetzt. Und von sich selbst.

Ich selbst bin sehr viel unterwegs. Aber dazu mal ein paar Zeilen mehr demnächst. Jedenfalls habe ich mir angewöhnt mir Zeit zu nehmen, um einfach dazusitzen. Es spielt auch keine Rolle wo. Am Bahnhof, an der Haltestelle, im Park oder auf dem Balkon. Manchmal lasse ich ganz bewusst 1-2 Straßenbahnen vorbei fahren bis ich in eine einsteige während ich beobachte wie andere nach der Bahn rennen. Kommt ja nur alle 10 Minuten eine. Da ist es schon entscheidend genau diese eine, die gerade abfährt, noch zu erwischen.

Ich renne keiner Straßenbahn mehr nach. Straßenbahnen sind wie Gelegenheiten, rennt man ihnen nach, besteht durchaus die Möglichkeit sie noch zu erwischen, im Gegenzug ist die Enttäuschung aber groß, wenn sie einem vor der Nase weg fährt. Warum also nicht einfach hinsetzen und vor sich hinschauen und etwas warten, womöglich sogar mal den Augenblick genießen, die nächste Bahn und die nächste Gelegenheit kommen bestimmt. Dabei hat man sogar noch Zeit in Ruhe nachzudenken was man mit dieser Gelegenheit anstellt.

Mich hat es ein Stück weit entschleunigt. Dieses Zeit nehmen.

…und vor sich hin zu schauen.

 

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